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Prof. Dr. Dr. J. C. Brengelmann (1920–1999), zuletzt Direktor des Münchner Max-Planck-Instituts, hat sich in seiner Forschungsarbeit über viele Jahre intensiv dem Thema Risikopersönlichkeit gewidmet. Anlass für seine Überlegungen waren Studien zur Frage, warum bestimmte Menschen bei Geldspielen bzw. beim Spekulieren zur Spielsucht neigen, während andere dagegen völlig immun bleiben.

Professor Brengelmann begann seine Untersuchungen über die Risikopersönlichkeit in den 70er Jahren. Bei der Suche nach innerpsychischen Faktoren, die das Verhalten im Umgang mit Risiko erklären, gelang Brengelmann die bahnbrechende Entdeckung, dass die Risikodisposition keine eindimensionale Persönlichkeitseigenschaft, sondern ein zweidimensionales Merkmal ist. Erst durch eine Trennung der beiden Dimensionen Risiko und Kontrolle kann die Risikodisposition zuverlässig gemessen werden.

Das Risikoverhalten im Umgang mit Geld ist folglich das Ergebnis einer Kombination von zwei zentralen Dimensionen bzw. Persönlichkeitseigenschaften. Dies ist einerseits die Einstellung zum Risiko an sich, andererseits dessen Kontrolle. Die Kontrolle ist die Motivation und die Fähigkeit, sich mit diesen Risiken auseinander zu setzen, deren Bedeutung abzuschätzen, diese zu steuern und zu kontrollieren.

Professor Brengelmann identifizierte verschiedene Risikotypen: Der Vorsichtige, der Kontrollierte, der Risikofreudige und der Zielstrebige.

Die zentralen Dimensionen des Risikotyps – Risiko und Kontrolle – sind, wie übrigens die meisten Persönlichkeitseigenschaften, in einer aktivierenden und einer entgegengesetzten, hemmenden Komponente angelegt. Erst aus ihrem Zusammenspiel resultiert die für Geldanlage entscheidende persönliche Ausprägung.

Die Risikodimension ergibt sich aus der Risikofreude (aktivierend) und der Risikovermeidung (hemmend). Risikofreude umfasst unter anderem die generelle Bereitschaft zum Risiko, die darin erlebte Lust und der Umgang mit Spekulation. Risikovermeidung setzt sich aus Ablehnung von Risiken (Risikoaversion), Haltlosigkeit im Umgang mit Risiken sowie der dabei erlebten Ambivalenz zusammen.

Die Kontrolldimension wird durch das Zusammenspiel der steuernden, aktiven Kontrolle und hemmenden Fehlern im Umgang mit Risiken bestimmt. Aktive Kontrolle repräsentiert zum Beispiel die Fähigkeit und den Willen zur Optimierung sowie die Entschlusskraft bei der Umsetzung. Gleichzeitig wird die damit einhergehende Gelassenheit berücksichtigt. Fehler im Umgang mit Risiken und Geld entstehen durch Fehlkalkulationen und Leichtsinn sowie durch impulsive Verhaltensweisen im Umgang mit Risiken.

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